wine biit insights - Gegen akuten Wissensdurst
wine biit schenkt ein
wine biit insights - Gegen akuten Wissensdurst
wine biit schenkt ein
Inhaltsverzeichnis
Der erste Februar war nicht nur das Ende des Dry Januarys, sondern auch der "International Furmint Day", und so wurde der Monat in Zürich mit dem "Furmint Februar" eingeläutet. Ich durfte an diesem spannenden Anlass teilnehmen, inklusive einer Masterclass, und möchte die Gelegenheit nutzen, um in dieser neuen Ausgabe meiner "wine biit Insight"-Reihe einen genaueren Blick auf die faszinierende Rebsorte Furmint zu werfen. Vorweg das Key-Take-Away (😝): Ungarn ist scheinbar das einzige Land, in welchem Wein in der Nationalhymne vorkommt!
𝗙𝘂𝗿𝗺𝗶𝗻𝘁 ist in erster Linie als 𝗛𝗮𝘂𝗽𝘁𝗿𝗲𝗯𝘀𝗼𝗿𝘁𝗲 des bekannten 𝗧𝗼𝗸𝗮𝗷𝗶-𝗕𝗼𝘁𝗿𝘆𝘁𝗶𝘀-𝗦ü𝘀𝘀𝘄𝗲𝗶𝗻𝘀 bekannt. Die Rebsorte hat ihren Ursprung sehr wahrscheinlich in der 𝗥𝗲𝗴𝗶𝗼𝗻 𝗧𝗼𝗸𝗮𝗷 𝗶𝗻 𝗨𝗻𝗴𝗮𝗿𝗻. Einer der genetisch bestätigten Elternteile ist 𝗚𝗼𝘂𝗮𝗶𝘀 𝗕𝗹𝗮𝗻𝗰 (𝗛𝗲𝘂𝗻𝗶𝘀𝗰𝗵), während der zweite Elternteil bislang unbekannt ist. Furmint besitzt zahlreiche Synonyme und kommt – wenn auch insgesamt eher regional konzentriert – in verschiedenen Weinbaugebieten vor.
Trotz der Anfälligkeit auf Botrytis hat die Traube erstaunlicherweise eine ziemlich dicke Haut. Typischerweise zeichnet sich Furmint durch eine 𝗵𝗼𝗵𝗲 𝗦ä𝘂𝗿𝗲 aus, ohne zwingend eine sehr prägende oder expressive Aromatik zu besitzen. Ebenso sind 𝗵𝗼𝗵𝗲 𝗔𝗹𝗸𝗼𝗵𝗼𝗹𝘄𝗲𝗿𝘁𝗲 bei Furmint – insbesondere bei vollreifen Trauben – keine Seltenheit. Furmint-Weine leben von ihrer Struktur und die Bodenbeschaffenheit hat einen beträchtlichen Anteil am Ausdruck des Weines. Hochwertige Furmint-Weine eignen sich sehr zur langen Reifung. Der Lesemoment kann sehr unterschiedlich sein von Ende August für Schaumweine bis in den späten November für Botrytis-Süssweine.
Insgesamt sind weltweit rund 4'000 - 4'500 Hektaren mit Furmint bepflanzt. Die 𝗛𝗮𝘂𝗽𝘁𝗮𝗻𝗯𝗮𝘂𝗿𝗲𝗴𝗶𝗼𝗻 von Furmint ist klar 𝗨𝗻𝗴𝗮𝗿𝗻 mit rund 3'000-3'500 Hektaren. Neben Ungarn spielt die Rebsorte vor allem auch in Ö𝘀𝘁𝗲𝗿𝗿𝗲𝗶𝗰𝗵 eine nennenswerte Rolle, obschon die Anbaufläche vergleichsweise klein ist (rund 300ha - heute vielleicht sogar weniger). In Österreich wurde die Rebsorte früher auch Mosler genannt und wird sowohl reinsortig zu trockenen 𝗪𝗲𝗶𝘀𝘀𝘄𝗲𝗶𝗻𝗲𝗻 ausgebaut als auch für den 𝗥𝘂𝘀𝘁𝗲𝗿 𝗔𝘂𝘀𝗯𝗿𝘂𝗰𝗵 verwendet (neben weiteren zugelassenen Sorten), einem traditionsreichen 𝗦ü𝘀𝘀𝘄𝗲𝗶𝗻 aus der 𝗙𝗿𝗲𝗶𝘀𝘁𝗮𝗱𝘁 𝗥𝘂𝘀𝘁, wo auch die 𝗪𝗲𝗶𝗻𝗮𝗸𝗮𝗱𝗲𝗺𝗶𝗲 Ö𝘀𝘁𝗲𝗿𝗿𝗲𝗶𝗰𝗵 ansässig ist. Höhere Hektarenbepflanzungen sind in der Slowakei (knapp 400ha), Slowenien (ca. 50ha), Kroatien und Serbien (<30ha) vorhanden. Auch Südafrika hat etwas importiert.
In Ungarn gibt es mehrere bekannte Anbaugebiete für Furmint. Die wichtigste Region ist Tokaj, gefolgt von Somló mit etwa 350 Hektar, Balaton mit 250 Hektar und Mátra mit rund 150 Hektar. In diesen Regionen finden sich unterschiedlichste Bodenarten: Vulkanische Böden im Norden, kalkhaltige, lehmige und sandige Böden im Süden – all dies trägt zum einzigartigen Charakter der Weine bei.
Copyright Picture: https://vineyards.com/wine-map/hungary
Ungarn hat eine sehr lange Weingeschichte - es wurde schon 1270 Wein exportiert. Die Reblaus hat auch Ungarn nicht verschont und hat ab 1870 den Grossteil der Weinberge zerstört. Ein Einschnitt der etwas jüngeren Vergangenheit war 1947, als die Vereinigung der Winzer Ungarns ihre Tätigkeit aufgeben musste - das Staatsmonopol unter der Handelsfirma Monimpex übernahm alle Exporte. Dies hat die technische Weiterentwicklung ausgebremst, bis in den späten 1980er eine Erholung stattgefunden hat, als Weingüter wieder in Privatbesitz kamen.
Tokaj ist die Hauptregion für Furmint. Hast du gewusst, dass Tokaj 1737 die erste klassifizierte Weinregion war, noch bevor z.B. Bordeaux und Burgund? Die Weine wurden schon im 18. und 19 Jahrhundert von vielen europäischen Königshöfen geschätzt und etablierte sich als eine der prestigeträchtigsten Weinarten Europas.
In Tokaj werden neben Furmint (rund 65%) hauptsächlich folgende Rebsorten angebaut: Hárslevelű, Sárgamuskotály, Kövérszőlő, Zéta und Kabar.
In Ungarn generell findet man zudem folgende Rebsorten: Welschriesling (Olasz Rizling), Chardonnay, Cserszegi Füszeres, Ezerjó, Irsai Olivér, Leányka, Müller-Thurgau, Chasselas, Grüner Veltliner, Riesling, Sárga Muskotály, Pinot Gris und Sauvignon Blanc. Bei den Rotweinen sind es vor allem Blaufränkisch (Kékfrankos), Cabernet Sauvignon, Merlot, Kékoportó (Blauer Portugieser), Cabernet Franc, Pinot Noir und Kadarka.
Die Rebsorte 𝗛á𝗿𝘀𝗹𝗲𝘃𝗲𝗹ű gilt als eng mit Furmint verwandt, eine direkte Eltern-Kind-Beziehung ist jedoch nicht eindeutig belegt.
Furmint ist eine sehr variabel einsetzbare Rebsorte. Bekannt ist sie definitiv durch die Süssweine, jedoch werden auch hervorragende trockene Weissweine hergestellt. Seit geraumer Zeit geniessen auch Schaumweine aus Furmint eine steigende Beliebtheit.
Es gibt einige reinsortige Furmint-Schaumweine. Daneben gibt es aber auch Blends mit Chardonnay, Pinot Noir und weiteren teils einheimischen Sorten. Schaumweine gibt es schon seit über 200 Jahren, ein nennenswerter Aufschwung begann aber im 20. Jahrhundert und auch in den letzten Jahren spürt Ungarn - wie auch andere Produktionsorte - einen Aufschwung bei Schaumweinen nach traditioneller Methode.
Hauptgebiet für Schaumwein ist Etyek-Buda (ca. 30 Kilometer nördöstlich des Plattensees) und bekannte Produzenten sind z.B. Kreinbacher, Sauska, Törley, Balatonboglár, Chapel Hill. József Törley hat beispielsweise das Handwerk in der Champagne erlernt und 1882 die Törley Pezsgőmanufaktúra in der Nähe von Budapest gegründet (gehört heute zu Henkell).
Hier gibt es ein breites Spektrum zur Auswahl, von eher einfach zu trinkenden Weissweinen (die aber Spass machen können!), über Assemblagen mit anderen Rebsorten bis zu hochklassigen Einzellagenweine. Furmint wird sehr vom Terroir geprägt, sprich je nach Bodenunterlage können sehr unterschiedliche Weine entstehen.
Furmint ist die wichtigste Sorte, wird aber auch mit Hárslevelű (Lindenblättriger), Sárga Muskotály (Muscat Blanc à Petits Grains) Kövérszőlő, Zéta und Kabar assembliert.
Schon in meiner Lernzeit war die Kategorisierung der ungarischen Weine kein einfaches Unterfangen. Wichtig ist, dass im Jahre 2013 eine kleine Anpassung vorgenommen wurde. Die Kategorien innerhalb der Tokaji Aszú-Weine wurden leicht angepasst und in diesem Zug "3 Puttonyos" und "4 Puttonyos" eliminiert - diese werden nun als Spätlese (late harvest) bezeichnet. Ebenfalls weggefallen ist die Kategorie "Aszúeszencia" (dies waren Weine mit min. 180g/l Restzucker), da sie zu Verwechslungen mit der Kategorie Tokaji Eszencia führen konnte.
Bei Aszú-Weinen spielt Botrytis eine grosse Rolle. Botrytis, auch Edelfäule genannt, ist ein spezieller, gewünschter, Pilzbefall, welcher die Trauben austrocknen lässt und sich so die Zucker- und Aromastoffe konzentrieren, was einem süssen, intensiven Wein mit komplexen Aromen zugutekommt. Dies kommt beispielsweise auch in den bekannten Sauternes-Süssweinen vor. Hauptmarker in der Degustation sind deutlich erkennbare Safrannoten.
Die heute aktuellen Weintypen im Bereich Süsswein können in folgende Kategorien aufgeteilt werden:
Szamorodni:
Es findet keine Trennung zwischen gesunden und Botrytis-Trauben statt. Je nach Anteil an Botrytis Trauben können diese Weine trocken (Száraz) oder süss (Édes, i.d.R. 45-120g/l) sein. Trockene Szamorodnis können an Sherry aus Jéréz/Andalusien erinnern.
Late Harvest - Késői szüret
Die alten Kategorien 3 und 4 Puttonyos mit etwas weniger Restzucker (45-120 g/l) fallen unter diese Kateogrie.
Aszú (5 oder 6 Puttonyos)
Aszú bedeutet, dass die Trauben durch einen Botrytis-Befall beeinflusst wurden. Hier wird üblicherweise mehrere Male von Hand gelesen. Zuerst werden gesunde Trauben zu einem trockenen Grundwein vergoren. Die Botrytis-Trauben werden zu einer Paste gemahlen und dem Grundwein (oder manchmal dem gärenden Most) beigemischt.
Die Zahl der Puttonyos im Tokaji Aszú gibt an, wie viele Eimer (Puttonyos) der edelfaule, konzentrierte Botrytis-Trauben dem Grundwein hinzugefügt werden (pro Gönc, ein traditionelles 136-Liter-Fass). Je mehr Puttonyos, desto süsser und intensiver wird der Wein. Die Weine müssen 3 Jahre reifen (davon 18 Monate im Eichenfass - früher länger).
5 Puttonyos: min. 120 g/l Restzucker
6 Puttonyos: min. 150g/l Restzucker
Eszencia:
Wird ausschliesslich aus Vorlaufmost von Aszú Beeren hergestellt und dies nur in aussergewöhnlichen Jahren. Der Zucker-Mindestgehalt ist 450g/l (!), kann in seltenen Fällen aber sogar bis 800g/l gehen. Die Gärung geht sehr langsam von statten und es wird nur ein Alkoholvolumen von unter 5% vol. produziert - oft um die 2%. Diese Weine sind sehr selten und teuer. Das Erstaunliche ist, dass dieses sirupartige Getränke dank der hohen Säure immernoch eine gewisse Frische und Trinkigkeit aufweist. Traditionellerweise wird Eszencia aus einem Löffel getrunken.
Detailliertere Erläuterungen zu Produzenten und Weinen, die ich kennengelernt habe, habe ich in einem separaten Instagram-Post verfasst: